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Sparen dient der Volkswirtschaft

Roman Seiler, ist pensionierter Wirtschaftsjournalist.

17. Februar 2021

Ein ergiebiger Honigtopf für innovative Unternehmer und Investoren, eine steigende Belastung für die Zahler. Die höchsten Steigerungsraten im Gesundheitswesen fallen ausgerechnet in der obligatorischen Krankenversicherung (OKP) an. Der Bundesrat erinnert im Bericht über «Massnahmen zur Kostendämpfung – Paket 2» zu Recht daran, dass das entsprechende Gesetz eine sozialverträgliche Krankenversicherung
bezwecke und nicht die Sicherung von Einkommen und Gewinnen der
Leistungserbringer.

Steigende Kassenprämien sowie Ausgaben für Leistungen, wie zum Beispiel von Zahnärzten, belasten die Budgets von Mittelstandsfamilien stark. Schliesslich berappt die Schweizer Bevölkerung zwei Drittel aller Ausgaben für Gesundheitsleistungen aus dem eigenen Sack. Das ist eine Konsumbremse.

Dabei gibt es im Gesundheitswesen punkto Qualität und Effizienz wahrlich noch viel Luft nach oben. Verbesserungen in diesem Bereich sind trotz zunehmender Regulierung weitgehend gescheitert. Daher nimmt Alain Berset den Steilpass der «Kostenbremse»-Initiative der CVP dankbar an. Der Gesundheitsminister will allen Kantonen ein Wachstumsziel vorgeben. Wird es über schritten, sollen Korrekturmassnahmen wie Tarifkürzungen zum Zug kommen.

«Es gilt, mit alternativen Versicherungsmodellen gezielt ein hohes Kosten-Nutzen-Verhältnis zu fördern.»

Roman Seiler

Ein Bürokratie-Monster, das alle Leistungserbringer trifft. Dabei gälte es, die schwarzen Schafe zu bestrafen. Also jene, die mittels unnötiger Behandlungen ihr Einkommen optimieren oder schlicht schlecht arbeiten. Dies liesse sich mit alternativen Versicherungsmodellen erreichen, die gezielt ein hohes Kosten-Nutzen-Verhältnis fördern.

Beispielsweise indem sich Versicherte verpflichten müssen, sich nur von Ärzten und in Spitälern behandeln zu lassen, die vom Versicherer vermittelt werden. Sie verfügen über die Informationen, um Patienten Leistungserbringer zu empfehlen, die zu vernünftigen Kosten qualitativ gut arbeiten.

Zwar schränken solche Modelle die freie Arztwahl stärker ein als andere. Als Entschädigung sollten Versicherte von einem entsprechend höheren Rabatt profitieren. Im Idealfall gehen sie damit auch ein kleineres Risiko ein, bei der Behandlung eines Unfalls oder einer Erkrankung Komplikationen zu erleiden. Die Patienten sind schneller gesund. Das ist auch für die Volkswirtschaft gesund.

Roman Seiler

ist pensionierter Wirtschaftsjournalist. Seit 1995 publiziert er regelmässig Artikel und Kommentare zum Thema Gesundheitswesen. Er schrieb unter anderem für Zeitungen wie «Cash», die Blick-Gruppe und CH-Media.

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