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Integrierte Versorgung: Voraussetzungen und Hindernisse

Die Integration der Versorgung ist keine leichte Aufgabe und kann ganz unterschiedlich aussehen. Voraussetzung ist eine sorgfältige Planung und Finanzierung mit einer einheitlichen Vision für eine bestimmte Patientengruppe.

Thomas Zeltner, Honorarprofessor der Universität Bern

26. Juni 2020

Separate, dezentrale und stark spezialisierte Strukturen stehen der Effektivität und Effizienz der Patientenversorgung eher im Weg. Je weniger verschiedene Dienstleister beteiligt sind, desto einfacher gestaltet sich der Zugang zum System. So lassen sich Verschwendung und Ineffizienz, aber auch Doppelspurigkeiten und Widersprüche vermeiden. Unter integrierter Versorgung verstehen wir hier die strukturelle Verbindung zuvor getrennter Gesundheitsleistungen – von Prozessänderungen bis hin zur physischen Zusammenführung.

Integrierte Versorgung – wie weiter?

Zielgruppen

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die integrierte Versorgung ist das Ermitteln und Anvisieren einer bestimmten Patientengruppe. Für drei Gruppen von Patienten ist die Fragmentierung der Gesundheitsversorgung besonders problematisch:

  1. für Patienten, die durch verschiedene medizinische Fachpersonen gleichzeitig versorgt werden (z.B. bei Multimorbidität älterer Menschen)
  2. für Patienten in Langzeitpflege (z.B. bei chronischen Erkrankungen)
  3. für Patienten mit psychischen Gesundheitsproblemen und gleichzeitig schlechter physischer Verfassung.

Einflussfaktoren

In der Vergangenheit scheiterte die Umsetzung von integrierten Programmen häufig an deren organisatorischer Komplexität, einer schwierigen Rechtslage, unklaren Finanzströmen und oder schliesslich an kulturellen Barrieren. Ein integriertes Modell erfordert eine gegenseitige Vertrauensbasis unter den Beteiligten sowie minimale gemeinsame Finanzstrukturen und IT-Plattformen. Vorschriften und finanzielle Anreize müssen auf die Kontinuität der Leistungen oder auf ein Versorgungspaket ausgerichtet sein. Um eine gemeinsame Vision und eine nachhaltige Integration sicherzustellen, ist sowohl auf der klinischen als auch auf der Führungsebene ein Kulturwandel nötig. Wir müssen einen Rahmen erarbeiten, die notwendige Versorgung koordinieren und dafür vertikale Pfade bestimmen. Das können nur entsprechende Fachpersonen. Und schliesslich sind genügend Anreize zu schaffen, damit die relevanten Stakeholder – Leistungserbringer, Versicherer oder Patienten – die Vorgaben auch befolgen.

Empfehlungen für die Zukunft

Es gibt keine Einheitslösung. Vielmehr brauchen wir massgeschneiderte Konzepte auf der Basis einer Serie von Schlüsselfaktoren.

Unterstützende Faktoren

Ergänzend zu den oben erwähnten Voraussetzungen gibt es weitere Erfolgskomponenten für Programme der integrierten Versorgung (vgl. Abb.). Wünschenswert ist insbesondere, dass die klinisch tätigen Partner bereit sind, zusätzliche Führungsverantwortung zu übernehmen, und sich aktiv um eine kollegiale Zusammenarbeit mit den anderen Partnern im Gesundheitssystem bemühen. Dies ist von grosser Wichtigkeit, um die Bereitschaft der Patienten zum Mitwirken am Behandlungsprozess auch längerfristig aufrechtzuerhalten – und damit ein wesentlicher Aspekt der integrierten Versorgung. Die verschiedenen Teammitglieder sollten im Weiteren direkt mit den einzelnen Patienten zusammenarbeiten, um sie so für eine nachhaltige Compliance und ein integriertes Management zu gewinnen. In wettbewerblich ausgerichteten Gesundheitssystemen (wie in der Schweiz) ist eine Balance zu finden zwischen wettbewerblichen Elementen und den Bedürfnissen, die sich aus der integrierten Versorgung ergeben. Als Massstab für die richtige Balance sind der Patientennutzen und die Bedürfnisse der beteiligten Leistungserbringer heranzuziehen. Wir benötigen geeignete Evaluationsmethoden, um den längerfristigen Nutzen der Integration zu bewerten und zukünftige Investitionen zu begründen.

Quellen / Links

Thomas Zeltner

ist Honorarprofessor der Universität Bern. Während 19 Jahren leitete er das Bundesamt für Gesundheit. Er ist unter anderem Präsident der Schweizer UNESCO-Kommission.

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