Digitalisierung braucht Datenkompetenz
Die Digitalisierung hat längst Einzug gehalten und prägt unseren Alltag manchmal auf fast beängstigende Weise. Vom Schrittzähler bis zu «Alexa» liefern wir tagtäglich unzählige Daten ins Web – im blinden Vertrauen darauf, dass wir nichts zu verbergen haben und diese Daten irgendwie, irgendwo dem Fortschritt und unserem Wohlergehen dienen. Fast wie ein gallisches Dorf wirkt da die Ärzteschaft, die immer wieder den Mahnfinger hochhält und für einen adäquaten Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten kämpft. Uns wird erklärt, dass sich Patientinnen und Patienten sowie Leistungserbringende an die Technologie anpassen müssten – nicht umgekehrt. Die dadurch verbesserte Kontrolle und Steuerung würden Kosten sparen? Der Digitalisierungsaufwand soll natürlich selbst berappt werden; für immer teurere, komplexere, störungsanfälligere und weniger modulierbare Programme und kaum mehr überblickbare Sicherheitsauflagen. Verwundern da die Widerstände?
Frischer Schub für die Digitalisierung
Zu langsam, zu altmodisch, zu wenig: Jetzt braucht es neue Lösungsansätze.
Fundamental schiene schon die Frage, wie Digitalisierung überhaupt gemessen wird. Längst sind viele Prozesse im Gesundheitswesen digitalisiert – vom Röntgengerät bis zum elektronischen Austausch zwischen den Leistungserbringern. Allzu oft bleibt leider die Sicherheit problematisch. Immer mehr Patientinnen und Patienten schreiben vertrauensvoll per WhatsApp oder ungeschützten Mails ihre Ärzte an. Sind wir genügend datenkompetent? Verstehen wir, welche Gesundheitsdaten wir wie, wann, wem und in welchem Umfang sinnvoll zur Verfügung stellen sollten und wie diese dann (teils gegen uns) verwendet werden? Digitalisierung ohne Datenkompetenz aufzuzwingen wäre unverantwortlich. Im Zeitalter der Digitalisierung müsste unsere gesellschaftliche Datenkompetenz – gerade im Gesundheitssektor – dringend verbessert werden. Die Politik wäre gefordert, Instrumente und Rahmenbedingungen dazu bedarfsgerecht erarbeiten zu lassen – unter partnerschaftlichem Einbezug der Patientenschaft und der Leistungserbringer. Deshalb kämpft die Ärzteschaft für www.data-literacy.ch.