26.06.2020 | Von Manuela Specker

«Wir teilen die Vorteile mit unseren Partnern»

Der Aufzughersteller Schindler behandelt die verschiedenen Stakeholder in der Lieferkette als gleichberechtigte Partner. Ralph Koch* über die innovative Kraft dieser integrativen Zusammenarbeit.

Um Wertschöpfungsketten zu optimieren, muss man zuerst die Logistik oder die vernetzten Prozesse innerhalb der eigenen Firma im Griff haben. Für uns ist die Verfügbarkeit der Ersatzteile entscheidend. Können wir alle Materiallieferungen sicherstellen? Funktioniert ein Lift nicht mehr, müssen wir den Fehler rasch beheben können.

Die Komplexität ist hoch: Wir haben mit vielen Stakeholdern zu tun, seien es Lieferanten, Servicedienstleister oder Logistikpartner. Die Integration in die Wertschöpfungskette fängt bereits bei unserer Entwicklungsabteilung an, die Produkte gemeinsam mit Partnern entwirft und so auch von deren Innovationskraft profitiert. Im konkreten Einsatz ist es entscheidend, dass alle Komponenten zeit- und kostengerecht auf der Baustelle eintreffen. Dafür braucht es ein gemeinsames Verständnis, was wir unter Qualität verstehen und wie wir mit Problemen umgehen. Genauso wichtig wie der Materialfluss sind also auch der Informations- und der Wertefluss. Relevante Infos müssen in der ganzen Lieferkette zeitnah verfügbar gemacht werden.

«Wir entwickeln nicht nur gemeinsam, wir investieren auch gemeinsam und sitzen im selben Boot.»

Ralph Koch

Überhaupt ist es zentral, alle Akteure in der Lieferkette als Partner zu sehen: Wenn wir gemeinsam die Prozesskosten senken oder die Performance verbessern, teilen wir auch die Vorteile mit allen Beteiligten in der Lieferkette. Indem auch sie konkret davon profitieren, ist es genauso in ihrem Interesse, in eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zu investieren und ein gemeinsames Ziel vor Augen zu haben. Die Digitalisierung hat ganz neue Möglichkeiten geschaffen, Abläufe zu optimieren und Stakeholder miteinander zu vernetzen. Unsere Servicetechniker bestellen die Ersatzteile heute per App auf dem Smartphone. Tun sie das bis 17 Uhr, erhalten sie vom Nachtexpresskurier Post Innight das benötigte Material bis am Morgen um 6 Uhr direkt ins Auto geliefert, statt dass sie im Morgenverkehr zuerst das Materiallager aufsuchen müssen.

Wir treiben bei Schindler zudem den Anschluss unserer Aufzüge und Fahrtreppen ans Internet der Dinge mit Hochdruck voran. So können unsere Anlagen teilweise heute schon Störungen selbst melden: Noch bevor der Kunde überhaupt etwas merkt, wird der Servicetechniker aufgeboten oder der Aufzug per Fernzugriff neu gestartet. Dieser Bereich hat grosses Potenzial: Schon heute sind viele unserer Anlagen vernetzt und können von unserem Standort in Ebikon aus überwacht werden. Um die künstliche Intelligenz voranzutreiben, sind wir eine strategische Zusammenarbeit mit General Electrics eingegangen. Damit unternehmensübergreifende Wertschöpfungsketten funktionieren, braucht es einen langfristigen Horizont. Entsprechend sind wir nie auf der Suche nach dem billigsten Anbieter, sondern wir sind interessiert an einer langfristigen, verlässlichen Zusammenarbeit und somit an strategischen Partnerschaften. Wir entwickeln nicht nur gemeinsam, wir investieren auch gemeinsam und sitzen im selben Boot.»



Ralph Koch*

ist Head of Supply Chain bei der Schindler Aufzüge AG (Switzerland). Der Wirtschaftsingenieur hat einen MBA in Supply Chain Management der ETH Zürich.

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