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Länderübergreifende Beneluxa-Initiative

Mithilfe eines kollaborativen Ansatzes soll der Zugang zu wirksamen und für die Gesellschaft finanzierbaren Behandlungen verbessert werden.

Anja Sonemann, Mitglied der Beneluxa-Initiative

5. Oktober 2022

Warum wurde Beneluxa gegründet?

Die Initiative wurde 2015 von den Gesundheitsministern Belgiens und der Niederlande ins Leben gerufen. Später schlossen sich ihr Luxemburg, Österreich und Irland an. Diese Länder stellten fest, dass die Kostenerstattung neuer Arzneimittel sie vor die gleichen und zunehmend komplexer werdenden Herausforderungen stellt. Aus ihrer Sicht konnten diese Probleme nur durch einen kollaborativen Ansatz gelöst werden. Seit der Gründung konzentriert sich die Initiative auf folgende vier Aspekte: Informationsaustausch, dem Horizon Scanning neuer Entwicklungen, Health Technology Assessments und Preisverhandlungen.

Hierbei war und ist Beneluxa mehr als eine miteinander diskutierende Expertengruppe. Ziel ist die Realisation praktischer Zusammenarbeit, ohne dabei einzelstaatliche Zuständigkeiten und nationale Gesetzgebung zu umgehen. Trotz dieser schwierigen Vo­raussetzungen ist die Kollaboration erfolgreich, da sie ein gemeinschaftliches Ziel verfolgt: den Zugang zu bezahlbaren und effektiven Therapien zu ermöglichen.

Wie will Beneluxa den Zugang zu innovativen Behandlungen verbessern?

Durch Expertise, Kommunikation und Solidarität. Gesundheitssysteme stehen unter immensem Druck, nicht nur in finanzieller Hinsicht. Immer mehr Medikamente kommen auf den Markt, noch bevor ihr Nutzen ausreichend nachgewiesen wurde. Um den individuellen oder strukturellen Wert und damit den angemessenen Preis ermitteln zu können, ist dieser Nachweis jedoch nötig. Zudem deckt nicht jedes sogenannte innovative Arzneimittel den tatsächlichen medizinischen und gesellschaftlichen Bedarf.

Schlussendlich geht es nicht darum, den Zugang zu innovativen Behandlungen sicherzustellen, sondern zu wirksamen Behandlungen, die halten, was sie versprechen.

Welche Preismodelle gewährleisten den Zugang zu innovativen Medikamenten?

Es gibt kein Preismodell, das für alle Medikamente und Länder gleich gut passt. Einmaltherapien lassen sich nicht mit dauerhafter Medikamentengabe vergleichen. Grundsätzlich gilt: Es braucht eine offene und ehrliche Kommunikation, zu der auch der Zugang zu kritischen Daten zählt. Diese Daten sind nicht nur entscheidend im Prozess der Kostenerstattung, sondern auch, um sicherzustellen, dass die Ärzteschaft die für den individuellen Patienten richtige Therapie auswählen kann.

Dabei sollte nicht vergessen werden, dass die beste Therapie nicht immer ein Arzneimittel ist. Dennoch, innovative Medikamente werden benötigt und diese sollten angemessen vergütet bzw. finanziert werden.

Zusammengefasst: Für die optimale Preisfindung ist entscheidend, dass qualitativ hochwertige Daten verfügbar sind, dass Transparenz in Bezug auf die ungedeckten (medizinischen und gesellschaftlichen) Nöte geschaffen wird und dass Regierungen sich, zum Beispiel mithilfe von Horizon Scanning, auf neue Entwicklungen vorbereiten.

Anja Sonemann

Mitglied der Beneluxa-Initiative und Assistentin der Geschäftsführung der Abteilung Arzneimittelpolitik, RIZIV-INAMI, Belgien.

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