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Wirksam statt lukrativ

Philomena Colatrella
Die CSS will eine konsequentere Bewirtschaftung des Leistungskatalogs, um Fehl- und Überversorgung zu verringern.

Philomena Colatrella, CEO der CSS

17. Juni 2024

Der Schweizer Atlas der Gesundheitsversorgung zeigt grosse regionale Unterschiede bei der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. Meniskusoperationen beispielsweise finden im Kanton Schwyz dreimal häufiger statt als im Kanton Tessin. Dies zeigt, dass in der Praxis oft medizinische Leistungen erbracht werden, die nicht in allen Fällen die sinnvollsten, wirksamsten und wirtschaftlichsten Behandlungsformen sind. Selbst wenn eine Leistung die WZW-Kriterien erfüllt, kann sie je nach Person nicht sinnvoll sein.

Dies ist nur ein Beispiel einer mög­lichen Fehl- bzw. Überversorgung, wo Ressourcen und Kosten in der OKP optimiert werden könnten. Um der Kosten- und Mengenentwicklung in der OKP entgegenzuwirken, muss der Leistungskatalog nicht grundsätzlich infrage gestellt werden, was ohnehin auf gesellschaftlichen und politischen Widerstand stossen würde. Vielmehr braucht es im ganzen System eine konsequentere Bewirtschaftung des Leistungskatalogs. Das bedeutet, dass die Leistungserbringung effektiver, effizienter und mit überzeugender Qualität erfolgen muss, mit dem Ziel, mehr Wert aus den bestehenden Ressourcen zu generieren.

«Selbst wenn eine Leistung grundsätzlich die WZW-Kriterien erfüllt, kann sie je nach behandelter Person nicht sinnvoll sein.»

Philomena Colatrella

Eine Leistung wird in der Grundver­sicherung gemäss KVG nur dann vergütet, wenn sie wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich ist. Das WZW-Konzept ist grundsätzlich sinnvoll, allerdings hapert es bei dessen Durchsetzung in der Praxis. Denn bis anhin wurde noch kein griffiger Mechanismus gefunden, um die WZW-Kriterien bei der Leistungserbringung konsequent durchzusetzen. Das vom BAG initiierte Health-Technology-Assessment-Programm (HTA) bleibt beispielweise aus verschiedenen Gründen weit hinter den Erwartungen zurück. Die CSS befürwortet darum neue, anreizorientierte und griffige Ansätze, um die Fehl- und Überversorgung in der Schweiz zu reduzieren. Solche Ansätze sollen eine WZW-konforme Leistungserbringung fördern. Es muss sichergestellt werden, dass die Leistungserbringer bei allen Patientinnen und Patienten die wirksamste, zweckmässigste und wirtschaftlichste Behandlungsform anwenden und nicht die lukrativste. 

Philomena Colatrella

ist Juristin, arbeitet seit 1999 bei der CSS und ist seit 2016 Vorsitzende der Geschäftsleitung. 2021 wurde sie von der Handelszeitung zur «Leaderin des Jahres» gekürt.

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