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Warum braucht es WZW im Krankenversicherungsgesetz?

Beda M. Stadler, ist emeritierter Professor und war Direktor des Instituts für Immunologie an der Universitat Bern.

23. Mai 2018

WZW stand einst für Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit in unserem KVG – sozusagen als rationale Säule, um damit Missbrauch zu verhindern. Das ging leider gewaltig in die Hose. Der medizinisch wohl wichtigste Durchbruch im letzten Jahrhundert war nämlich der Doppelblindversuch. Seither kann man die Wirksamkeit eines Medikaments zweifelsfrei beurteilen. Trotz WZW haben wir aber im Nachhinein als einziges Land auf diesem Planeten die Alternativmedizin in der Verfassung verankert und verspotten damit die Wirksamkeit.

Die Pflichtleistungen im KVG

Der Zweck heiligt die Mittel

Sobald die Wissenschaft nicht mehr dazu dient, die Wirksamkeit zu beurteilen, muss man sich nicht wundern, wenn die Zweckmässigkeit zur Redensart wird. «Der Zweck heiligt die Mittel» gilt schliesslich als Prinzip des Machiavellismus. Die vermeintlich rationale Säule WZW steht damit alleine auf den Schultern der Wirtschaftlichkeit. Jetzt würde sich der alte Machiavelli doppelt ins Fäustchen lachen, da die meisten Leute Wirtschaftlichkeit mit Rentabilität verwechseln.

Ist WZW noch zu retten?

Sicher, wir müssten nur alle Entscheide rund um WZW von jeglicher Meinung befreien. Es dürften nur noch Fakten zählen. Politiker dürfen Meinungen haben, schliesslich werden sie deswegen gewählt. Würden Fakten in der Politik zählen, gäbe es nur eine Partei: die Rationalen. Da die Patienten aber nicht so lange warten können, sollten wir einfach zurück auf Punkt null.

Die Wirksamkeit wird rein wissenschaftlich eruiert. Die Zweckmässigkeit und die Wirtschaftlichkeit werden auf eine neue Basis gestellt: Priorität hat nicht der Markt, sondern die Solidarität mit dem Patienten. Die Gesundheitsökonomen dürfen ruhig eine andere Meinung haben. Da es sich um ihre Meinung handelt, wird dies aber irrelevant sein.

«Trotz WZW haben wir als einziges Land auf diesem Planeten die Alternativmedizin in der Verfassung verankert.»

Beda M. Stadler

Definition von Krankheit

Ein solch rationaler Neubeginn für WZW beinhaltet natürlich auch die Frage, was Krankheit ist. Weil dies kein ganz einfaches Unterfangen ist, haben die Meinungsmacher in den letzten Jahren versucht, die Gesundheit zu definieren. Allen voran hat die WHO dies verbrochen, und unser BAG hat diese Definition sogleich übernommen, womit wir in der Schweiz definitionsgemäss keinen einzigen gesunden Menschen mehr haben.

Krankheit ist hingegen viel einfacher zu definieren. Wir müssten nur den Mut haben, die Befindlichkeitsstörungen als das zu belassen, was sie sind, und die Latte für die gewöhnlichen Bobos etwas höher zu legen. Die Patienten unterhalb dieser Latte dürften trotzdem zum Arzt, um sich ihre Streicheleinheiten zu holen, aber sie sollen es selber bezahlen.

Beda M. Stadler

geboren 1950 in Visp (VS), ist emeritierter Professor und war Direktor des Instituts für Immunologie an der Universität Bern. Er ist bekannt für seine bissigen Aussagen zu medizinischen sowie gesundheits- und gesellschaftspolitischen Themen.

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