06.06.2019 | Von Roland Hügi

Wandel als steter Begleiter

Für Ueli Staub* ist Wandel ein steter Begleiter. Als Landwirt sieht er sich immer wieder mit neuen Vorgaben und Herausforderungen konfrontiert, die es zu bewältigen gilt.

Ich bin von Kindesbeinen an in der Landwirtschaft verwurzelt, und seit ich mich erinnern kann, mussten wir Landwirte uns stetig wieder umorientieren. Stichworte dafür sind neue Gesetze, die Aufhebung der Milchkontingentierung oder die Einführung von Direktzahlungen. Aber auch die Öffentlichkeit hat – vor dem Hintergrund des steigenden Siedlungsdrucks – immer neue und manchmal unreflektierte Ansprüche an die Landwirtschaft; die Marktbedingungen werden immer härter, oder Naturschutzvorgaben ändern sich. Als jungem Landwirt fällt es mir sicher leichter, mich an diese veränderten Rahmenbedingungen anzupassen und Schritt halten zu können. Aber gerade in der älteren Generation wird der kontinuierliche Wandel auch zur Belastung. Nicht alle Landwirte sind fähig, dem Tempo zu folgen, was letztlich den Strukturwandel beschleunigt. Nicht wenige Bauern arbeiten einfach noch so lange, bis die junge Generation nachrückt oder ein Ökonomiegebäude amortisiert ist – ganz einfach, weil sie müssen und keine Alternativen haben. Gleichwohl möchte ich auch unterstreichen, dass ich die Freiheiten, die ich als Landwirt und damit als selbständiger Unternehmer habe, noch immer sehr schätze. So habe ich die Möglichkeit, mich falls nötig in neue Bereiche, etwa die Direktvermarktung, vorzutasten und mich so in meiner Region zu positionieren.

«Seit ich mich erinnern kann, mussten wir Landwirte uns stetig wieder umorientieren.»

Ueli Staub

Chancen und Risiken aufzeigen

Eine wichtige Aufgabe kommt sicher auch den Verbänden zu. Sie leisten laufend Aufklärungsarbeit und zeigen auf, welche Chancen und Risiken die kontinuierlichen Veränderungen mit sich bringen. Zudem tragen sie dazu bei, das Image der Landwirtschaft in der Politik, vor allem aber in der Öffentlichkeit zu fördern. Eine Herausforderung, die wir nicht mehr wegdiskutieren können, ist sicher der Klimawandel. Wir hatten in den vergangenen paar Jahren fast jährlich mit klimatischen Kapriolen zu kämpfen, zuletzt mit dem Hitzesommer 2018. Das macht schon nachdenklich. Ich sehe es aber auch als Chance. Mit richtiger Bewirtschaftung kann nämlich die Landwirtschaft beitragen, wieder mehr CO2 im Boden zu binden und so einen Beitrag gegen die Klimaerwärmung zu leisten. Deshalb wurde 2018 eine Arbeitsgruppe «Bodenprojekt» ins Leben gerufen. Zudem müssen wir uns Gedanken darüber machen, welche Produktionsrichtungen unter sich verändernden Klimabedingungen und längeren Vegetationsperioden Sinn ergeben und überhaupt möglich sind. Allerdings ist dies ein Prozess, der seine Zeit dauern wird. Ich bin aber überzeugt, dass die Landwirtschaft auch diese Hürde meistern wird und weiterhin eine wichtige Rolle in der Landschaftspflege und vor allem in der nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion spielen wird. Gespannt bin ich, was uns die Digitalisierung hier bringen kann.



Ueli Staub*,

34, bewirtschaftet einen Landwirtschaftsbetrieb (Milchwirtschaft / Kälbermast) im zugerischen Menzingen. Er ist ausserdem Geschäftsführer des Zuger Bauernverbandes (ZBV) und Vorstandsmitglied des Zentralschweizer Bauernbundes (ZBB).

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