Vier Möglichkeiten zur Deckung der Gesundheitskosten
Die öffentlichen Gesundheitsausgaben sind in allen OECD-Ländern in den letzten zwei Jahrzehnten stetig gestiegen und erreichten 2024 durchschnittlich 7,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) (gegenüber 5,6 Prozent im Jahr 2004). Es wird erwartet, dass sie aufgrund der Alterung der Patienten, steigender Einkommen und technologischer Fortschritte weiter ansteigen und bis 2045 möglicherweise 8,4 Prozent erreichen werden.
Balance ist alles
Nur mit Eigenverantwortung und Solidarität lässt sich unser Gesundheitswesen finanzieren. Ohne dieses Gleichgewicht fehlt die Stabilität.
Generell haben Regierungen vier Möglichkeiten, den steigenden Finanzierungsbedarf im Gesundheitswesen zu decken: (1) Sie können die Staatsausgaben erhöhen (bei gleichbleibendem Gesundheitskostenanteil in den Haushaltsmitteln), (2) sie können den Gesundheitskostenanteil in den bestehenden Haushaltsmitteln erhöhen, (3) sie können einige Finanzierungsaufgaben auf private Kostenträger verlagern und (4) sie können die Effizienz im Gesundheitssektor verbessern.
In der Praxis können diese Varianten miteinander kombiniert werden, aber sie alle bringen unterschiedliche Herausforderungen oder Zielkonflikte mit sich. Angesichts des derzeitigen Wirtschaftsklimas, das durch ein begrenztes Wirtschaftswachstum und steigende Schuldenquoten in vielen OECD-Ländern gekennzeichnet ist, ist die Konsolidierung der öffentlichen Finanzen ein zentrales Anliegen. Dies macht eine starke Erhöhung der Staatsausgaben (Variante 1) kurzfristig unwahrscheinlich. Ebenso ist der Spielraum für eine weitere Erhöhung des Anteils der Gesundheitskosten an den gesamten Staatsausgaben (Variante 2) – der in den letzten zehn Jahren bereits gestiegen ist – begrenzt.

Schwierige Umsetzung von Reformen
In den letzten Jahren geriet das Gesundheitswesen infolge verschiedener globaler Krisen zunehmend in Konkurrenz zu anderen Ausgabenprioritäten wie Verteidigung, Energiewende oder Soziales. Die stärkere Verlagerung von Gesundheitsausgaben hin zu privater Finanzierung (Variante 3) erscheint daher als attraktive Variante. Dies birgt jedoch das Risiko, dass der Zugang zur Gesundheitsversorgung eingeschränkt wird, falls für benachteiligte Bevölkerungsgruppen, die sich die selbst zu tragenden Kosten nicht leisten können, keine Zuzahlungsausnahmen gemacht werden.
Schliesslich gibt es viel Handlungsspielraum, um die Effizienz im Gesundheitssystem zu verbessern (Variante 4). Reformen, die darauf abzielen, die Primärversorgung zu stärken und die Anzahl kostspieliger Spitalaufenthalte zu reduzieren (z. B. in Dänemark, Slowenien oder Portugal), die Spitallandschaft umzugestalten (in Deutschland oder Österreich) oder die Möglichkeiten, welche die Digitalisierung im Gesundheitswesen bietet, nutzbar zu machen (z. B. in Australien oder Korea), erfreuen sich aktuell in vielen Ländern grosser Beliebtheit. In der Praxis kann die Umsetzung jedoch schwierig sein und in einigen Fällen hohe Vorausinvestitionen erfordern, bevor Effizienzgewinne erzielt werden können.
Die hier vom Autor geäusserten Meinungen und Argumente geben nicht unbedingt die offizielle Auffassung der OECD-Mitgliedstaaten wieder.