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Vernünftige Balance finden

Bernard Rüeger, Verwaltungsratspräsident CSS

22. Juni 2026

«Eigenverantwortliches Handeln ist Grundlage wahrer Solidarität.» Schon vor Jahren hat die CSS dieses Kernprinzip der Krankenversicherung in ihren Grundsätzen der Unternehmensphilosophie festgehalten. Doch je länger, je mehr stellt sich die Frage: Wie viel Eigenverantwortung ist notwendig, damit der Begriff der Solidarität im schweizerischen Gesundheitssystem nicht vollends ausgehöhlt wird? Denn Solidarität heisst letztlich, die Gesundheitskosten gemeinsam zu tragen, was gewisse Versicherte an den Rand der finanziellen Belastbarkeit bringen kann. Die CSS ist sich der Problematik der steigenden Gesundheitskosten sehr wohl bewusst und engagiert sich für ein möglichst bezahlbares Gesundheitswesen.

Die aktuelle Debatte, sowohl auf nationaler als auch auf kantonaler Ebene, konzentriert sich zunehmend auf die Frage einer Erhöhung der öffentlichen Finanzierung. Dabei geraten Überlegungen, wie die Eigenverantwortung gestärkt werden kann, immer mehr in den Hintergrund. Die aktuelle kontroverse Debatte rund um die Erhöhung der Mindestfranchise (nach 20 Jahren Status quo) widerspiegelt die Schwierigkeit dieses Themas.

Klar ist, es braucht eine vernünftige Balance zwischen Solidarität und Eigenverantwortung. Eigenverantwortung übernehmen heisst vor allem auch, sich selbst zu reflektieren, ist doch ein erheblicher Teil der Gesundheitskosten auf das eigene Verhalten zurückzuführen. Das wiederum bedingt mündige Versicherte, die informiert sind und bewusste Entscheide treffen. Hier setzt auch Artikel 56a KVG an. Er ermöglicht gezielte Informationen der Versicherer an die Versicherten, unter anderem zu kostengünstigeren Leistungen. So wird die Eigenverantwortung gefördert und gesundheitsbewusste Entscheidungen werden gestärkt.

In dieser Ausgabe von «im dialog» werfen wir einen Blick auf das System der Finanzierungslast im Schweizer Gesundheitswesen. Zudem gehen wir der Frage nach, wie die Balance zwischen staatlicher und privater Finanzierung optimal ausgestaltet werden kann und wie der Spagat zwischen den beiden Grundprinzipien Eigenverantwortung und Solidarität künftig gelingen könnte.

Bernard Rüeger

ist Verwaltungsratspräsident der CSS.

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