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Verantwortung ermöglichen und Solidarität gestalten

Die Diskussion um Solidarität und Eigenverantwortung darf nicht zu einer Entweder-oder-Frage werden. Vielmehr gilt es, Spielräume auszuschöpfen und Versicherte zu befähigen.

Bianca Strasser, Leiterin CEO Stab CSS

22. Juni 2026

Der gesetzliche Rahmen, etwa bei Franchisen oder Leistungsumfang, ist in der obligatorischen Krankenversicherung bewusst eng gesteckt. Das schützt die Solidarität. Besonders wichtig ist es, Versicherte zu befähigen, sich souverän im komplexen schweizerischen Gesundheitssystem zu bewegen. Wo echte Wahlmöglichkeiten bestehen, sollen sie informierte Entscheidungen treffen können. Eigenverantwortung entsteht nicht durch stets höhere finanzielle Hürden oder Sanktionen, sondern durch Orientierung, Transparenz und gezielte Information.

Befähigung zur Eigenverantwortung

Um Eigenverantwortung zu stärken, gibt es bereits Wahlmöglichkeiten bei Versicherungsmodellen, transparente Informationen zu Leistungen und Kosten sowie digitale Lösungen, um Deckung, Behandlungen und Rückvergütungen zu überblicken. Ergänzt wird dies durch Angebote in der Prävention und Gesundheitsförderung. All diese Instrumente setzen auf Befähigung und stärken die Entscheidungsfähigkeit der Versicherten. Genau hier sehen wir als Krankenversicherung einen wichtigen Hebel.

Dieser Ansatz wird gestärkt durch den neuen Artikel 56a im Krankenversicherungsgesetz, der im Juli in Kraft tritt. Dadurch erhalten wir mehr Freiraum und die Möglichkeit, unsere Versicherten aktiv und individuell zu informieren, etwa über gleichwertige, aber kostengünstigere Behandlungsalternativen, geeignete Versicherungsmodelle oder passende Präventionsangebote. Wir werden so zu einer Gesundheitspartnerin für unsere Versicherten. Diese wiederum können einen aktiveren Beitrag zur Kostendämpfung leisten.

«Solidarität bleibt nur tragfähig, wenn Eigen­verantwortung gezielt gestärkt wird.»

Kostenentwicklung und Verantwortung

Wie sinnvoll, ja zwingend das ist, zeigt nur schon der Umstand, dass ein immer grösserer Anteil der Gesundheitsausgaben über die Grundversicherung finanziert und damit solidarisch von allen Prämienzahlern getragen wird. So sind die Prämien in der Grundversicherung zwischen 1996 und 2024 von rund 1539 Franken auf 4278 Franken gestiegen. Zusätzlich sind sie in den letzten zehn Jahren auch deutlich stärker gestiegen als die gesamten Gesundheitskosten.

Steigende Prämien sind primär ein Abbild des medizinischen Fortschritts, von dem alle profitieren, aber auch ein Zeichen, dass der Leistungsumfang stetig zunimmt und damit die Frage der Balance zwischen Solidarität und Eigenverantwortung immer drängender wird.

Entsprechend wichtig ist es, die Versicherten zu befähigen, bewusste Entscheide zu fällen. Ein Beispiel hierfür sind die Generika-Schreiben der CSS: Die Nutzung von Nachahmerpräparaten hat sich vervierfacht, was jährlich bis zu 3 Millionen Franken einsparte.

Wir sollten uns also hüten, Solidarität und Eigenverantwortung als Gegensätze zu sehen. Solidarität bleibt nur tragfähig, wenn Eigenverantwortung gezielt gestärkt wird – eine klug ausgestaltete Befähigung trägt dazu langfristig bei. Zentral ist, dass die gesetzliche Grundlage diese Befähigung ermöglicht. Artikel 56a KVG ist ein kleiner, aber wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung. 

Bianca Strasser

ist Leiterin CEO Stab der CSS.

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