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Renovieren statt abreissen

Birgit Voigt, Wirtschaftsjournalistin

22. Juni 2026

Das Volk lehnte 2024 den SP-Vorstoss «Prämien-Entlastungs-Initiative» ab. Nur zwei Jahre später will die Partei mit ihrer «Prämienrabatt-Initiative» das Finan­zierungssystem der obligatorischen Krankenversicherung gleich ganz umstürzen und die Prämien ans Einkommen koppeln.

Unbestritten sind die stetig wachsenden Prämien für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen eine Bürde. Insgesamt erhalten inzwischen jedoch rund 30 Prozent aller Krankenversicherten durch Steuern finanzierte Verbilligungen. Im Durchschnitt lag der Beitrag 2024 bei 2484 Franken pro Kopf und Jahr. Im Januar trat zudem ein neues Gesetz in Kraft, das den Zustupf weiter erhöhen sollte. Die Schweiz hat ein Finanzierungssystem für die Krankenversicherung entwickelt, das die finanzielle Eigenverantwortung betont, aber durch steuerfinanzierte Subventionen auch Solidarität zeigt.

Das Klagen über die Prämienhöhe kontrastiert mit der Zufriedenheit über das gebotene Gesundheitssystem. In keinem europäischen Nachbarland geben die Menschen höhere Noten als in der Schweiz. Und dies mit Recht: Nirgends leben sie länger und erhalten besseren Zugang zu medizinischer Versorgung. Dies belegt auch der neue Leistungsvergleich europäischer Gesundheitssysteme. Die Schweiz nimmt den ersten Platz ein und punktet in zahllosen Unterkategorien.

«Das Klagen über die Prämienhöhe kontrastiert mit der Zufriedenheit über das gebotene Gesundheitssystem.»

Ja, der Preis dafür ist gestiegen. Zur Jahrtausendwende betrugen die Aus­gaben für das Gesundheitswesen rund 9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, 25 Jahre später sind es 12 Prozent. Deutsche, Französinnen und Franzosen geben etwa gleich viel aus für eine schlechtere Versorgung. Doch Däninnen und Dänen oder Niederlände­rinnen und Niederländer zeigen, dass sich hochstehende Angebote auch mit weniger Geld erreichen lassen. Interessant dabei: Die beiden Länder organisieren ihr Gesundheitswesen über völlig unterschiedliche Ansätze. In Dänemark ist alles staatlich durchgeplant, in den Niederlanden wird Wettbewerb gefördert.

Mit anderen Worten: Das Schweizer Gesundheitssystem ist Weltklasse. Damit es auch bezahlbar bleibt, muss das Land vermehrt auf den «Swiss Finish» verzichten und systematisch an Effizienzverbesserungen arbeiten. Es schadet auch nicht, gute Ideen europäischer Nachbarn zu studieren. Der von der Prämienrabatte-Initiative anvisierte Umsturz hilft dagegen nicht weiter. 

Birgit Voigt

ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin mit vertieften Kenntnissen über die Pharmaindustrie und das Schweizer Gesundheitswesen. Mehr als 20 Jahre schrieb sie für die Wochenzeitung «NZZ am Sonntag».

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