Pflege der Zukunft als Herkulesaufgabe
Die professionelle Pflege ist ein zentraler Pfeiler unserer Gesundheitsversorgung. Doch die anstehenden Herausforderungen gerade mit Blick auf die Ambulantisierung sind gewaltig. Das verdeutlichen zwei Zahlen: Bereits im Jahr 2040 dürften laut dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) zusätzlich 7397 Vollzeitäquivalente in der Spitex-Pflege nötig sein, um die Nachfrage abzudecken. Zudem lässt die älter werdende Bevölkerung die Kosten für die ambulante und stationäre Pflege bis 2030 auf rund 18 Milliarden Franken ansteigen. Nimmt man den sich abzeichnenden Fachkräftemangel hinzu, wird klar: Sowohl die Organisation wie auch die Finanzierung der ambulanten Pflege sind zwei der wichtigsten politischen und gesellschaftlichen Aufgaben, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten anstehen werden.
Pflegesystem in Gefahr
Nur wenn auf allen Ebenen die Rahmenbedingungen hinterfragt und klar abgesteckt werden, kann es gelingen, in der ambulanten Pflege zukunftsfähige und finanzierbare Lösungen zu finden. Besonderes Augenmerk ist auf die Umsetzung der einheitlichen Finanzierung der Gesundheitsleistungen (EFAS), die für die Pflege 2032 in Kraft tritt, zu richten. Diese Reform bietet eine Chance, die Tarifstrukturen in der Pflege grundsätzlich zu überdenken und zukunftsfähig auszurichten. Nicht ausser Acht zu lassen ist der Bereich der pflegenden Angehörigen: Gemäss einem Bundesgerichtsentscheid im Jahr 2019 können Leistungen in der Grundpflege über die Krankenversicherungen abgerechnet werden, auch wenn die Pflegeperson keine spezielle Pflegeausbildung absolviert hat – vorausgesetzt, sie wird von einer Spitex-Firma angestellt. Mit dem Entscheid hat das Gericht ein lukratives und gleichzeitig sehr problematisches Geschäftsmodell für private Spitex-Firmen ermöglicht – in der Folge sind die Kosten explodiert und wachsen exponentiell. Dies schadet nicht zuletzt dem Ansehen der pflegenden Angehörigen selbst, die einen wichtigen Beitrag in der Versorgung leisten.
In dieser Ausgabe zeigen wir auf, welche Herausforderungen in der ambulante Pflege anstehen und welche Lösungsansätze sich abzeichnen, damit auch in Zukunft ein Zugang zu einer guten Pflege für die Bevölkerung möglich sein wird.