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Notfallstationen stärken statt Hürden schaffen

Nach jahrelangen Diskussionen im Parlament will man nun keine Gebühr für Bagatellfälle einführen, sondern den Selbstbehalt beim Notfallbesuch erhöhen. Das greift zu kurz. Entscheidend ist, wie das System darauf reagieren muss.

Patrick Droll, Fachverantwortlicher im Notfallzentrum KSBL

22. Juni 2026

Die meisten Menschen kommen nicht aus Bequemlichkeit auf die Notfallstation. Sie kommen, weil sie nicht rasch genug einen ambulanten Termin erhalten oder weil Schmerz und Angst ihre Situation unübersichtlich machen. Wer Symptome nicht einordnen kann, sucht Sicherheit. Die Notfallstation ist oft die einzige jederzeit erreichbare medizinische Anlaufstelle. Gleichzeitig füllt sie Lücken im System: Fehlende ambulante Kapazitäten und begrenzte Verfügbarkeiten führen dazu, dass Patientinnen und Patienten mangels Alternativen auf die Notfallstation gelenkt werden.

Ein genereller Anstieg von Bagatellfällen ist nicht belegt. Viele Notfallstationen berichten von einer Zunahme komplexer und dringlicher Fälle. Der zentrale Belastungsfaktor liegt an anderer Stelle: an fehlenden Übertritten der Notfallpatientinnen und -patienten auf die Bettenstation. Sind keine Betten auf den Bettenstationen verfügbar, wird die Notfallstation zum Nadelöhr des Spitals. Die Herausforderung liegt weniger im Verhalten Einzelner als in der Organisation der Versorgung.

Aktive Steuerung entlastet nachhaltig

Entlastung beginnt im Gesamtsystem. Der Patientenfluss zu stationären Abteilungen muss sichergestellt werden. Dazu braucht es eine aktive Steuerung der Bettenbelegung. Patientinnen und Patienten müssen zeitnah aus der Notfallstation auf die Bettenstation aufgenommen werden können. Austritte müssen vorausschauend geplant und freie Betten gezielt für Notfallpatientinnen und -patienten verfügbar gehalten werden. Dafür braucht es ausreichend Betten, Personal und entsprechende Finanzierungsanreize.

Gleichzeitig ist der Ausbau ambu­lanter Angebote mit flexiblem Zugang nötig, etwa Hausarztpraxen mit an­gepassten Öffnungszeiten. Dies erfordert auch eine Stärkung der Hausarztmedizin.

Ein weiterer Ansatz sind integrierte Versorgungsmodelle innerhalb der Notfallstation, etwa angeschlossene Hausarztpraxen oder Fast-Track-Bereiche. Sie ermöglichen eine bedarfsgerechte Steuerung und entlasten gezielt die Akutversorgung.

Es braucht strukturelle Anpassungen

Notfallstationen sind ein zentraler Pfeiler der Grundversorgung. Ihre Stärkung gelingt nicht durch zusätzliche Regulierungen, sondern durch eine abgestimmte Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen.

Eine Gebühr oder die Erhöhung des Selbstbehalts würde an den strukturellen Ursachen nichts ändern. Wer es sich leisten kann, kommt weiterhin. Wer knapp bei Kasse ist, zögert – im Zweifel zu lange. 

Patrick Droll

ist Fachverantwortlicher im Notfallzentrum KSBL, Mitglied Qualitätskommission Notfallpflege Schweiz.

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