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Mit dem Pflegeheim kommt oft die Armut

Birgit Voigt, Wirtschaftsjournalistin

27. Februar 2026

Die Schweiz wird in den kommenden Jahrzehnten deutlich altern. Demografische Statistiken weisen mit gnadenloser Klarheit in die Zukunft. Dieses Jahr feierten rund 63 000 Menschen in der Schweiz ihren 80. Geburtstag. In 25 Jahren dürften 90 000 Personen dieses Jubi­läum begehen. Das schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) prognostiziert, dass mit der Alterungswelle bis 2040 rund 140 000 Menschen zusätzlich Bedarf an pflegerischen Leistungen haben.

Wer davon schliesslich ein Bett im Pflegeheim benötigt, kämpft nicht nur mit gesundheitlichen Problemen, sondern mit massiven finanziellen Herausforderungen. Ein Platz im Pflegeheim kostet laut Pflegeverband Curaviva heute durchschnittlich rund 130 000 Franken im Jahr. Davon deckt die obligatorische Krankenversicherung nur Ausgaben für medizinisch bedingte Pflege. Die Kosten für Hotellerie und Betreuung – etwa 60 Prozent der Gesamtrechnung – müssen die Pflegeheim-Patientinnen und -Patienten aus der eigenen Tasche bezahlen. Mehrere Tausend Franken pro Monat für Kost und Logis kann nur eine Minderheit problemlos bezahlen. Die Mehrheit braucht schnell das Vermögen auf. Die Schweiz ist eigentlich Weltmeisterin in der Absicherung gegen viele Gefahren des Lebens. Doch das hohe Risiko, als pflegebedürftiger, alter Mensch zu verarmen, bleibt ein rein privates Problem. Eine öffentliche Diskussion zu diesem Thema fehlt.

«Bis 2040 haben rund 140 000 Menschen zusätzlich Bedarf an pflegerischen Leistungen.»

Stattdessen weisen Entscheidungsträger standardmässig auf die sogenannten Ergänzungsleistungen hin. Sie greifen, wenn Einkommen und Vermögen der Heimpensionäre nicht mehr reichen. 60 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner sind bereits auf die Zuschüsse angewiesen. Prognosen zur Entwicklung dieser Ausgaben über 2029 hinaus hat das zuständige Bundesamt für Sozialversicherungen erstaunlicherweise nicht! Können und werden die Kantone die erwartbaren Milliarden an Mehrkosten schultern?

Die Schweiz hat vor Jahren gezeigt, wie man die Altersvorsorge zukunftsfest macht. Mit dem Drei-Säulen-System AHV, Pensionskasse und 3a-Sparen hat sie vorausschauend das solideste Rentensystem in Europa entwickelt. Es ist höchste Zeit, auch über eine solidarische und obligatorische Pflegeversicherung zu diskutieren, damit der einschnei­dende Abschied vom privaten Daheim nicht auch noch zum finanziellen Desaster für die betroffenen Menschen wird. 

Birgit Voigt

ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin mit vertieften Kenntnissen über die Pharmaindustrie und das Schweizer Gesundheitswesen. Mehr als 20 Jahre schrieb sie für die Wochenzeitung «NZZ am Sonntag».

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