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Es braucht klare Grenzen

Pflegefachkräfte und pflegende Angehörige sind wichtig für das System. Beide Bereiche sind jedoch eindeutig zu regeln, sonst besteht das Risiko einer ungebremsten Kostensteigerung.

Heidi Rüttimann, Fachspezialistin Gesundheitspolitik CSS

27. Februar 2026

Die Schweiz altert – und damit steigen die Pflegekosten unaufhaltsam. Der jüngste Obsan Bericht zeigt: Bis 2040 wächst der Bedarf an Pflege massiv, während Fachkräfte fehlen und die Finanzierung zunehmend an ihre Grenzen stösst. Für die Grundversicherung bedeutet das viel mehr Pflegeleistungen, was zu einer wesentlichen Kostensteigerung führen wird. Der Einbezug der Pflege in die einheitliche Finanzierung, die das Parlament Ende 2023 entschieden hat, macht es noch wichtiger, diesen Bereich klarer zu regeln und die notwendige Transparenz zu schaffen. Sonst droht eine Kostenlawine.

Ein sehr aktuelles Thema in diesem Bereich ist der Umgang mit pflegenden Angehörigen. Angehörige leisten einen enorm wichtigen Beitrag und erlauben, dass viele Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben können. Ihr Engagement ist von grossem Wert für die Gesellschaft und für die Gesundheitsversorgung, für die der Fach­kräfte­mangel bekanntlich eine grosse Herausforderung ist. Doch darf es nicht zu einer unkontrollierten Verschiebung von Aufgaben führen, die eigentlich der professionellen Pflege unterstehen.

«Ein System, das auf bezahlte Fürsorge baut, wird langfristig weder gerecht noch finanzierbar sein.»

Die CSS setzt sich dafür ein, dass die Einbindung von pflegenden Angehörigen klar geregelt wird. Wenn Angehörige angestellt werden, braucht es verbindliche Rahmenbedingungen – mit Arbeitsvertrag, Sozialschutz, sachgerechter und wirtschaftlicher Vergütung sowie einem klar definierten Leistungsumfang. So wird ihre Arbeit anerkannt, ohne dass daraus ein Business­­-Modell für die privaten Spitex-Organisationen und eine Konkurrenz zu den qualifizierten Pflegefachpersonen entstehen, die über Jahre hinweg eine anspruchsvolle Ausbildung absolviert haben.

Zudem gilt für die Grundversicherung, dass Subsidiarität und Solidarität nicht vermischt werden dürfen. Angehörige sollen unterstützen, aber nicht in eine verdeckte Systemrolle gedrängt werden. Pflege soll nicht automatisch beginnen, wenn Fürsorge an ihre Grenzen kommt – sie muss professionell bleiben, effizient finanziert, qualitativ gesichert und sauber abgegrenzt sein. Für die CSS ist eines klar: Ohne gute, ambulante Pflege und ohne das ergänzende Engagement von pflegenden Angehörigen funktioniert das System nicht. Aber ein System, das auf bezahlte Fürsorge baut, wird langfristig weder gerecht noch finanzierbar sein. 

Heidi Rüttimann

ist Fachspezialistin Gesundheitspolitik bei der CSS.

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