Die Zukunft ist integriert und digital
Seit Jahren steigt der Bedarf an Leistungen durch die Spitex rasant. Die demografische Entwicklung, neue medizintechnische Möglichkeiten und der Grundsatz «ambulant vor stationär» werden die Nachfrage weiter erhöhen. Heisst: In Zukunft verlagern sich Pflege und medizinische Versorgung zunehmend in die eigenen vier Wände. Medizinische, pflegerische, therapeutische und soziale Leistungen sollen künftig nahtlos ineinandergreifen – bei den Menschen in deren vertrautem Umfeld, koordiniert durch starke regionale Netzwerke. Die ambulante Pflege und Unterstützung ist dabei ein zentraler Pfeiler unseres Gesundheitssystems. Diese Vision greift das neue Zukunftsbild «Care@Home 2040» von Spitex Schweiz auf.
Pflegesystem in Gefahr
Spitex als Drehscheibe integrierter Versorgung
Die Spitex kennt bereits heute alle Akteure der Versorgung zu Hause genau und bringt in diesem Setting eine grosse Expertise, Erfahrung und ein breites Angebot mit, das in Europa einzigartig ist. Egal ob in der Akutversorgung oder in der Langzeitpflege: Die Spitex-Organisationen verfügen über hoch qualifiziertes Pflegepersonal, das neben der somatischen Grund- und Behandlungspflege auch spezialisierte Leistungen erbringt, etwa in den Bereichen Palliative Care, Psychiatrie oder Wundmanagement, bei chronischen, akuten und komplexen Krankheitsverläufen. Sie ist nahe bei den Menschen und kennt die Herausforderungen des Privathaushaltes. Diese Expertise macht die Spitex zur zentralen Drehscheibe einer integrierten Versorgung, die sich am individuellen Bedarf der Menschen orientiert und nicht an institutionellen Grenzen.
Diese Zukunftsvision verträgt kein Silodenken: Die integrierte Versorgung zu Hause baut auf interprofessionelle Zusammenarbeit und klare Kompetenzverteilung. Im Mittelpunkt muss der Bedarf der Patientinnen und Patienten stehen, unabhängig davon, ob die Leistungen von der Spitex, von Spitälern, von Ärztinnen oder Ärzten oder von anderen Partnern erbracht werden. So entsteht eine individuelle, ganzheitliche und digital unterstützte Versorgung aus einer Hand – mit der Spitex mittendrin.
«Mit ‹Care@Home 2040› entsteht eine individuelle, ganzheitliche und digital unterstützte Versorgung.»
Grosse Chancen für alle
Für die Patientinnen und Patienten bedeutet die integrierte Versorgung zu Hause mehr Autonomie, höhere Sicherheit und meist auch eine schnellere Genesung, da sie in ihrem vertrauten Umfeld sind. Für die Mitarbeitenden der Leistungserbringer werden bürokratische Hürden reduziert. Das schafft mehr Raum für den eigentlichen Beruf: die ganzheitliche Versorgung und Pflege von Menschen in ihrer gewohnten Umgebung. Die Arbeit in interprofessionellen Teams erhöht die Attraktivität der Pflegeberufe – ein zentraler Faktor im Kampf gegen den Fachkräftemangel.
Bedeutung von Technologie und Digitalisierung
Eine Schlüsselfunktion nimmt auch die Digitalisierung ein. Sie ermöglicht den zeitnahen Informationsaustausch zwischen allen Beteiligten, schafft Transparenz und fördert Effizienz. Dafür braucht es nationale Standards und kompatible Systeme. Programme wie DigiSanté oder das angekündigte elektronische Gesundheitsdossier (E-GD) werden dabei wichtige Grundlagen schaffen. Zudem werden künstliche Intelligenz und neue Technologien wie Telepflege, Sensoren oder Robotik die Autonomie der Menschen stärken und die Spitex bei ihrer Arbeit unterstützen. Sensorbasierte Präventionssysteme setzen einen Notruf ab, wenn die Person zu Hause stürzt oder gravierende Abweichungen der Vitalzeichen gemessen werden. Bei allen Technologien bleibt jedoch entscheidend, dass Technologie dem Menschen dient und nicht umgekehrt.
Kompetenzen stärken – und finanzieren
Damit «Care@Home 2040» integriert gelingt, braucht es weiterhin qualifiziertes Personal. Namentlich Pflegeexpertinnen und -experten (Advanced Practice Nurses, APN) sowie Fachpersonal mit erweiterten digitalen und technologischen Kompetenzen werden dabei unerlässlich sein. Gleichzeitig muss die Finanzierung Schritt halten: Auch Koordinationsleistungen, technische Hilfsmittel und komplexe Leistungen müssen angemessen entschädigt werden. Die Einführung der einheitlichen Finanzierung (EFAS) wird die Pflege stärken und die richtigen Anreize für eine nachhaltige, integrierte Versorgung zum Wohle der Patientinnen und Patienten setzen.
Fazit: Die Vision «Care@Home 2040» wird nur dann zu einer neuen Wirklichkeit, wenn alle Akteure im Gesundheitswesen mutig, offen und gemeinsam handeln – vernetzt, professionell und zukunftsorientiert.