14.10.2020 | Von Carmen Walker Späh

Zur Freude aller Fahrgäste

Der öffentliche Verkehr macht nicht an den Kantonsgrenzen halt: Die Zürcher Regierungsrätin Carmen Walker Späh über die Herausforderung, überregional verschiedene Ansprüche unter einen Hut zu bringen – und darüber, wie die Bevölkerung von Kompromissen profitiert.

In einem Metropolitanraum wie Zürich ist es unverzichtbar, dass der öffentliche Verkehr kantonsübergreifend koordiniert wird. Denn Zürich, seine Nachbarkantone und der Kanton Glarus bilden einen gemeinsamen Lebens und somit auch Verkehrsraum mit bisweilen vergleichbaren Herausforderungen. Der Abstimmungsbedarf ist hoch – auch in anderen Gegenden der Schweiz. Deshalb ist Mitte der 80er-Jahre die Konferenz der kantonalen Direktoren des öffentlichen Verkehrs (KöV) ins Leben gerufen worden. Sie will die Abstimmung unter den 26 Kantonen verbessern und gegenüber dem Bund einheitlich auftreten. Die gegenseitige Absprache ist vor allem bei den Fahrplankonzepten sinnvoll. Die KöV-Region Zürich, die ich als Präsidentin vertreten darf, deckt exakt das kantonsübergreifende Gebiet der Zürcher S-Bahn ab, die das Rückgrat der öffentlichen Mobilität im Wirtschafts- und Lebensraum Zürich darstellt. Das allein ist schon Grund genug für eine Zusammenarbeit.

«Der öffentliche Verkehr zeigt, wie unter Einhaltung kantonaler Hoheit eine Zusammenarbeit funktionieren kann.»

Carmen Walker Späh

Der Tarifverbund Z-Pass als Flaggschiff

Wie oftmals in der Schweiz besteht die grösste Herausforderung darin, unterschiedliche regionale Ansprüche unter einen Hut zu bringen. Aber Kompromisse kommen letztlich der Bevölkerung zugute, die den öffentlichen Verkehr nutzt. Hervorstechendes Beispiel ist die Einführung des Z-Passes – eines Tarifverbunds, der über den Kanton Zürich hinausgeht. Hier kam der wichtige Anstoss von den Nachbarkantonen. Die Pendlerinnen und Pendler in den angrenzenden Gebieten wollten ihren täglichen Arbeitsweg mit einem Ticket oder einem Abonnement sorgenfrei bewältigen. Daraus entstand 2004 der Tarifverbund Z-Pass. Er ist heute nicht mehr wegzudenken. Auch die Durchmesserlinie in Zürich ist ein gutes Beispiel für unser Wirken bei der KöV-Region Zürich. Denn schliesslich profitierte die ganze Schweiz von diesem Generationenbauwerk und den damit ermöglichten Ausbauten des Fahrplans. Planung, Ausbauprojekte und auch Finanzierung wurden deshalb untereinander abgestimmt. Heute verkehren täglich fast eine halbe Million Personen über den Zürcher Hauptbahnhof.

Regionalkonferenzen als Bindeglied

Neben der KöV-Region Zürich gibt es heute vier weitere Regionalkonferenzen, deren jeweilige Präsidentinnen und Präsidenten auch im Vorstand der nationalen KöV sind. Gemeinsam koordinieren wir regionale Fragestellungen, erarbeiten Lösungen und vertreten diese auf nationaler Ebene. Regionalkonferenzen stellen dafür eine ideale Grösse dar; sie umfassen einen in sich stimmigen und logischen Verkehrsraum mit vergleichbaren Herausforderungen. Eine solche Form der Zusammenarbeit ist auf Bundesebene deutlich anspruchsvoller, da die Unterschiede zwischen urbanen, verdichteten Räumen und Berggebieten viel grösser sind. Viele staatliche Aufgaben lassen sich nicht exakt eingrenzen. Der öffentliche Verkehr zeigt, wie unter Einhaltung kantonaler Hoheit eine Zusammenarbeit funktionieren kann – zur Freude der Fahrgäste.»



Carmen Walker Späh

ist Regierungsrätin und Volkswirtschaftsdirektorin des Kantons Zürich. Sie ist im Vorstand der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Direktoren des öffentlichen Verkehrs (KöV) und Präsidentin der Regionalkonferenz KöV-Zürich.

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