Beda M. Stadler

geboren 1950 in Visp (VS), ist emeritierter Professor und war Direktor des Instituts fur Immunologie an der Universitat Bern. Er ist bekannt fur seine bissigen Aussagen zu medizinischen sowie gesundheits- und gesellschaftspolitischen Themen.

Kolumne vom 18.06.2018

Bonussystem statt Föderalismus

Als ich anlässlich meiner Pensionierung von Bern ins Wallis zog, sanken meine Krankenkassenprämien. Das war angenehm. Schaue ich jetzt zum Fenster hinaus, sehe ich auf der anderen Seite des Tals Visperterminen. Würde ich meine Gesundheit dort- hin zügeln, käme ich nochmal in den Genuss einer massiven Verbilligung. Ich tue es nicht, weil ich den staatlich ermöglichten Krankenkassenwechsel als eines der dümmsten Geschäftsmodelle betrachte. Zudem bin ich durch den Kantonswechsel nicht gesünder geworden und finde trotz Eigennutz den Föderalismus im Gesundheitssystem überholt.

Hinter den regionalen Prämienunterschieden versteckt sich möglicherweise aber etwas, das auch in Zukunft noch unterstützungswürdig sein könnte. So galten etwa die Krankenkassen von Zeneggen oder Gondo lange als die günstigsten schweizweit. Man könnte sich überlegen, weshalb dem so war. Von beiden Orten aus konnte man einen Arzt oder ein Regionalspital mit dem öffentlichen Verkehr nur mühsam und bloss ein paar Mal pro Tag erreichen. Bis der nächste Bus fuhr, ging es den Leuten wahrscheinlich bereits wieder besser. Natürlich will ich diesen historischen Zustand nicht idealisieren, aber zu bedenken geben, dass sich hinter den variablen kantonalen Gesundheitskosten auch Unterschiede im Verhalten verbergen könnten, etwa Patienten, die weniger medizinische Leistungen einfordern.

«Die Krankenkassen müssten vorprellen und jedem Patienten einen Bonus geben, falls er bereit ist, seine Kosten drastisch zu senken.»

Beda M. Stadler

Sollten in nächster Zeit tatsächlich Anstrengungen unternommen werden, unser föderalistisches Gesundheitssystem umzubauen, sollte man nicht nur versuchen, einseitig die bekannten Kostentreiber zu eliminieren, sondern ein Anreizsystem schaffen, das ursprünglich zu derartigen positiven regionalen Unterschieden führte. Als Patient ist das aber auch nicht mehr so einfach wie früher, vor allem weil die Grundversorgung heute derart viel an medizinischen Leistungen beinhaltet, die zum Teil an Wellness grenzen, und damit meine ich nicht nur die Alternativmedizin.

Gesundheit hat nichts mit Kantönligeist zu tun, aber solange die Kantone darüber zu entscheiden haben, werden die kantonalen Unterschiede wohl auch bleiben. Also sollten die Krankenkassen vorprellen und jedem Patienten einen Bonus geben, falls er prinzipiell bereit ist, seine zukünftigen Kosten drastisch zu senken. Damit meine ich nicht etwa das Versprechen, Sport zu treiben oder eine Diät zu machen, sondern den schriftlichen Beleg zu liefern, dass man entweder bei Dignitas oder Exit den jährlichen Beitrag zahlt.

Kommentare

  1. Als EXIT zu Beginn der 1980er eine lebenslange Mitgliedschaft anbot, griff ich sofort zu. Ich erkannte die mir angebotene Freiheit sofort, in Zukunft selber entscheiden zu können und bezahlte damals den einmalig geforderten lebenslänglichen Mitgliedschaftsbeitrag von 150.- postwendend.

    Carolus Magnus