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Sparkurs des Bundes auf Kosten einer smarten Kontrolle

Portraitbild Birgit Voigt

Birgit Voigt, Wirtschaftsjournalistin

27. Oktober 2026

Die Schweizer Politik schnürt seit Jahrzehnten ein Sparpaket nach dem nächsten, um die Gesundheitsausgaben im Zaum zu halten. Doch mit jeder neuen Regel steigen die bürokratischen Aufwendungen für Kontrolleure und Kon­trollierte – ebenso wie die Ausgaben im Gesundheitswesen. Aber die Politiker in Bern zeigen sich nicht lernfähig.

Gerade findet eine Revolution statt: Digitalisierung und künstliche Intelligenz halten auch im Gesundheitswesen Einzug. Die Schweiz ist dabei wie so oft keine Vorreiterin. Trotzdem nehmen viele Projekte Fahrt auf. Die vielen Akteure der Branche sind sich für einmal einig: Durch eine gezielte Förderung der neuen Werkzeuge und mit der richtigen Basis-Infrastruktur könnten bedeutsame Einsparungen erzielt werden. Bei Ausgaben von über 90 Milliarden Franken pro Jahr würde schon eine geringe Effizienzsteigerung richtig einschenken.

2024 hatte das Parlament endlich grünes Licht gegeben für eine umfassende Digitalisierung der Branche unter dem Namen «Digisanté». Ein Rahmenkredit von 400 Millionen Franken sollte bis 2035 für die dringende Modernisierung der Datenstrukturen sorgen.

«Der Schweizer Gesundheitszug wird wegen der fehlenden Investitionen noch lange ähnlich der Deutschen Bahn durch die Landschaft ruckeln.»

Doch keine Idee ist so gut, dass sie nicht aus kurzfristigen Geldnöten abgeschossen werden kann. Das eidgenössische Departement des Innern muss
aufgrund des kürzlich vom Parlament abgesegneten «Entlastungspaket 27» das zentrale Programm für ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen drastisch zusammenstreichen.

Der Schweizer Gesundheitszug wird wegen der fehlenden Investitionen noch lange ähnlich der Deutschen Bahn durch die Landschaft ruckeln. Im Nachbarland Österreich hat das Economica Institut für Wirtschaftsforschung kürzlich eine Studie vorgelegt, die sich mit den Zeit- und Kosten-Gewinnen beschäftigt, die der digitale Schnellzug dort einfährt. Bereiche mit weit fortgeschrittener Digitalisierung meldeten eine massive Beschleunigung adminis­trativer Abläufe sowie eine Abnahme der Doppelspurigkeiten.1 Dies führte zu einer Entlastung des Personals und kürzeren Wartezeiten für Patientinnen und Patienten.

In der Schweiz dagegen werden Patientinnen und Patienten sowie Prämienzahlerinnen und Prämienzahler die gestrichenen Investitionen im Laufe der Jahre doppelt und dreifach bezahlen, denn eine veraltete Bürokratie ist enorm teuer. Aber wer legt den Verantwortlichen für diesen Fehlentscheid die Rechnung vor? 

Portraitbild Birgit Voigt

Birgit Voigt

ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin mit vertieften Kenntnissen über die Pharmaindustrie und das Schweizer Gesundheitswesen. Mehr als 20 Jahre schrieb sie für die Wochenzeitung «NZZ am Sonntag».

1 https://www.mp2.at/studie

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