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Wer kontrollieren soll, muss verstehen können

Portraitbild Susanne Gedamke
Nur Patientinnen und Patienten wissen, ob eine Behandlung tatsächlich stattgefunden hat oder wie lange der Termin gedauert hat. Dieses Wissen bleibt jedoch oft ungenutzt. Ein Grund dafür: Viele Arztrechnungen sind für Nichtmediziner kaum verständlich.

Susanne Gedamke, Geschäftsführerin der Patientenorganisation SPO

27. Oktober 2026

Tarifpositionen, technische Begriffe und Abkürzungen erschweren es, eine Rechnung inhaltlich nachzuvollziehen. Selbst bei gutem Willen können Patientinnen und Patienten häufig nicht beurteilen, ob eine Position korrekt oder doppelt verrechnet wurde oder gar nicht nachvollziehbar ist. Eine Rechnung zu erhalten, bedeutet deshalb noch lange nicht, sie auch kontrollieren zu können. Hinzu kommt noch eine psychologische Hürde. Wer auf einen möglichen Fehler hinweist, befürchtet mitunter, das Vertrauensverhältnis zur behandelnden Ärztin oder zum behandelnden Arzt zu belasten. Gerade bei längeren Behandlungen oder chronischen Erkrankungen sind Patientinnen und Patienten jedoch auf eine gute Beziehung zu ihren Fachpersonen angewiesen. Sie möchten nicht als misstrauisch oder schwierig wahrgenommen werden. Diese Sorge ist nicht zu unterschätzen.

Rechnungen müssen transparenter werden

Damit Patientinnen und Patienten ihre Rolle tatsächlich wahrnehmen können, braucht es mehr als nur einen Appell, Rechnungen genauer zu prüfen. Zunächst müssen die Rechnungen transparenter werden. Neben den tariflichen Angaben sollte in verständlicher Sprache ersichtlich sein, welche Leistung wann, durch wen und in welchem Umfang erbracht wurde. Sinnvoll wäre eine kurze, standardisierte Erläuterung der wichtigsten Positionen. Digitale Rechnungen könnten auch durch anklickbare Erklärungen ergänzt werden.

«Kontrolle soll nicht primär als Miss­trauen gegenüber einzelnen Akteurinnen oder Akteuren verstanden werden.»

Ebenso wichtig sind einfache und sichere Rückfragemöglichkeiten. Patientinnen und Patienten sollten Unklarheiten zunächst über eine neutrale Stelle klären können, ohne die behandelnde Fachperson direkt konfrontieren zu müssen. Denkbar wären zentrale Anlaufstellen bei Versicherern, unabhängige Beratungsangebote oder standardisierte digitale Rückfrageprozesse, eventuell auch mit Unterstützung von KI. Entscheidend ist, dass eine Nachfrage nicht als Vorwurf verstanden wird, sondern als normaler Bestandteil einer transparenten Abrechnung. Gleichzeitig darf die Verantwortung für die Kontrolle nicht einzig auf Patientinnen und Patienten abgeschoben werden. Sie können zwar Hinweise geben, sind aber weder Tarifexpertinnen noch Revisoren. Die Hauptverantwortung liegt bei den Leistungserbringern, Versicherern und Aufsichtsorganen. Dort müssen systematische Kontrollen, Plausibilitätsprüfungen und datenbasierte Auffälligkeitserkennungen durchgeführt werden. Patientinnen und Patienten können dieses System ergänzen, aber nicht ersetzen.

Durch Kontrolle kann Vertrauen entstehen

Das Potenzial für die Rechnungskontrolle liegt vor allem in einem besser abgestimmten Prozess, nämlich in eindeutig formulierten Rechnungen, automatisierten Prüfungen, leicht zugänglichen Rückfragemöglichkeiten und unabhängiger Unterstützung. Werden auffällige Positionen erkannt, sollte transparent kommuniziert werden, was geprüft wurde und welche Begründung zum Ergebnis führte. So entsteht nicht nur Kontrolle, sondern auch Vertrauen.

Aus Sicht der Schweizerischen Patientenorganisation SPO ist entscheidend, dass Kontrolle nicht primär als Misstrauen gegenüber einzelnen Akteurinnen oder Akteuren verstanden wird. Gute Kontrolle schützt alle Beteiligten, denn sie verhindert Fehlverrechnungen, stärkt die Wirtschaftlichkeit und schafft Sicherheit für Patientinnen und Patienten ebenso wie für korrekt arbeitende Fachpersonen.

Eine wirksame Kontrolle im Gesundheitswesen braucht daher beides: professionelle, systematische Prüfmechanismen und eine verständliche Einbindung der Patientinnen und Patienten. Erst wenn sie nachvollziehen können, was ihnen verrechnet wurde, und ohne Angst Rückfragen stellen können, wird aus formaler Transparenz echte Beteiligung.

Susanne Gedamke

ist Psychologin und Kommunikationswissenschaftlerin und seit 2020 Geschäftsführerin der Schweizerischen Patientenorganisation SPO.

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