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Gesunde Kontrollen

Mirjam Bamberger, Vorsitzende der Geschäftsleitung

27. Oktober 2026

Kontrolle ist im Gesundheitswesen unverzichtbar. Sie schützt Prämiengelder, sichert Qualität und schafft Vertrauen. Als Treuhänderin unserer Versicherten nimmt die CSS diese Verantwortung konsequent wahr. Allein im ersten Halbjahr 2026 konnten wir durch eine systematische Rechnungsprüfung 462 Millionen Franken an ungerechtfertigten Ausgaben verhindern.

Doch gute Kontrolle bemisst sich nicht an der Zahl der Vorschriften. Seit dem Inkrafttreten des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) im Jahr 1996 ist die Regulierung kontinuierlich gewachsen. Neue Regeln kommen hinzu, bestehende werden selten konsequent vereinfacht oder aufgehoben. Auch wurden zahlreiche neue Versionen des KVG verabschiedet und der Umfang des Gesetzes wuchs von 40 auf rund 100 Seiten an. Das Ergebnis: mehr Komplexität, aber nicht automatisch mehr Wirkung.

Wir brauchen nicht mehr, sondern bessere Kontrollen. Besonders jetzt: Mit Reformen wie EFAS und TARDOC verändern sich Strukturen, Finanzierungs- und Abrechnungslogiken grundlegend. Daraus entstehen Chancen, aber auch neue Kosten- und Abrechnungsdynamiken. Die Kostenneu­tra­lität des neuen Arzttarifs muss sich in der Praxis erst noch beweisen. Wir müssen diese Entwicklungen früh erkennen und wirksam steuern, ohne neue Bürokratie aufzubauen.

Dafür braucht es drei Dinge: klare Verantwortlichkeiten, eine standardisierte Datenbasis und funktionierende Datenflüsse. Gerade bei der Digitalisierung und Standardisierung hat die Schweiz erheblichen Nachholbedarf. Eine konsequentere Digitalisierung erhöht die Transparenz, vereinfacht Prozesse und verbessert die Steuerung im Gesundheitssystem – und schont damit auch Prämiengelder.

Für die CSS ist klar: Wir werden genau hinschauen, konsequent handeln und dort Kontrolle einfordern, wo sie Wirkung erzielt. Gleichzeitig setzen wir uns dafür ein, unnötige Komplexität abzubauen. Denn ein gutes Gesundheitssystem braucht starke Leitplanken – aber auch Raum für Verantwortung, Innovation und unternehmerisches Handeln. Das ist für mich gesunde Kontrolle.

In der neuen Ausgabe von «im dialog» gehen wir deshalb den Fragen nach, wo Kontrolle unverzichtbar, wo Vereinfachung möglich ist und wie Versicherte sowie Patientinnen und Patienten – wie wir alle – zu einem wirk­samen und verantwortungsvollen Gesundheitssystem beitragen können.

Mirjam Bamberger

ist Vorsitzende der Geschäftsleitung

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